Stadtkirche St. Jakobi Oelsnitz (V.)k

In der südwestlichsten Region Sachsens, nahe der Tschechischen Republik und angrenzend an Bayern und Thüringen liegt das Vogtland. Fast in der Mitte des Vogtlandkreises, in der Nähe der Sächsischen Staatsbäder Bad Elster und Bad Brambach, sowie der Spitzenstadt Plauen befindet sich die Teppichstadt Oelsnitz. Sie zählt heute etwa 13.000 Einwohner.

In einem Dokument von 1200 wird Oelsnitz das erste Mal urkundlich erwähnt. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ließ Vogt Eberhard von Straßberg die Burg Voigtsberg errichten. Doch er ließ nicht nur die Burg, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die St. Jakobikirche um 1240 als Basilika aus Stein, errichten. Die Kirche hatte sicher schon einen Vorgängerbau, denn bereits 1225 wird in einer Urkunde ein Pfarrer "Heinricus plebanus de Olsniz" genannt. In einer Urkunde von 1357 ist erstmals von einer Stadt Oelsnitz die Rede.

Sachsen war im 16.Jahrhundert ein Vorreiter der Reformation. Bis zur Reformation gehörte Oelsnitz zum Bistum Zeitz-Naumburg. Die Einführung der Reformation erfolgte in Oelsnitz sehr bald. Bei einer ersten Kirchenvisitation im Jahr 1529 wird Jobst Engelschall als Pfarrer in Oelsnitz genannt. Es ist anzunehmen, daß der ursprünglich katholischer Pfarrer, schon 1523 in der Stadt wirkte.

Eine Superintendentur für Plauen und das Amt Voigtsberg wurde, als eine der ersten in Sachsen, bereits bei der Kirchenrevision 1529 errichtet. Vier Jahre später, im Jahr 1533 entstand in Oelsnitz eine eigene Superintendentur und Pfarrer Loener wurde der erste Superintendent. Sein Nachfolger Paulus Rephun (Paul Rebhuhn), ein Haus- und Tischgenosse Luthers in Wittenberg, wurde durch seine Dichtungen und Dramen bekannt. Er wirkte hier von 1542 bis zu seinem Tode 1546. Nach ihm ist in Oelsnitz eine Straße benannt. Oelsnitz blieb fast 470 Jahre Ephoralstadt. Mit dem Ruhestand von Superintendent Düring im Jahr 1999 wurde diese Stelle nicht mehr besetzt und die beiden Ephorien Oelsnitz und Plauen zu Beginn des Jahres 2001 zusammengelegt.

Einen Aufschwung nahm die Stadt Oelsnitz im 16. Jahrhundert durch den einsetzenden Zinnbergbau. Der zu den einflußreichsten Wegbereitern der deutschen Kirchenkantate gehörende Komponist Johann Rosenmüller (1619 - 1684) wurde hier geboren.

Durch Stadtbrände kam Oelsnitz oft zu Schaden, so in den Jahren 1519, 1632 (Zerstörung im dreißigjährigen Krieg),1720 und 1780. Der letzte große Stadtbrand 1859 vernichtete fast die gesamte Stadt. Nach Plänen von Christoph Carl Schmidt, einem Regierungsbeamten aus Dresden, wurde Oelsnitz im spätklassizistischen Stil wieder aufgebaut.

 

Zur Baugeschichte der St.Jakobikirche
Geweiht ist die Kirche dem Apostel Jacob d. Älteren. Sie liegt an einem alten Pilgerweg zu dessen Grab in Santiago de Compostella.
Wie bereits erwähnt, wurde ein erster Steinbau der Kirche unter Eberhard von Voigtsberg errichtet. Aus dieser Bauphase ist wahrscheinlich noch der untere, spätromanische Teil des Nordturmes erhalten. In der Herrschaftszeit von Heinrich III. könnte die Kirche um den Chor, im gotischen Stil mit fünfseitigem Abschluß, erweitert worden sein.
Ein Außen, an der Südseite des Chores, eingemauertes frühgotisches Dreipaßrelief zeugt vielleicht von diesem Umbau. Ende des 15.Jahrhunderts mußte das Gotteshaus offensichtlich neu errichtet werden, denn aus einer Schriftstück von 1499 geht hervor, daß "die durch Feuer beschädigt gewesene Pfarrkirch daselbst neu erbaut und mit einer schönen Orgel versehen" wurde.
Obwohl schon das Zeitalter der Renaissance angebrochen war, wurde die St. Jakobikirche im spätgotischen Stil, unter teilweiser Verwendung der alten Grundmauern, neu errichtet. Der Grundriß und das prächtige Gewölbe, aus dieser Bauzeit, bestimmen das Innere der Kirche bis heute. Einem Brief des Rates der Stadt Oelsnitz an Friedrich Wilhelm, Herzog zu Sachsen aus dem Jahr 1594 können wir entnehmen, daß die Türme wegen Geldmangel noch nicht vollendet waren. Die Glocken wurden mindestens schon 8 Jahre auf dem Markt geläutet. Das der Bau doch noch beendet wurde zeigt das älteste Bild der Stadt, eine Federzeichnung von Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1629. Beide Türme deckten nun, die erst flach, dann steil aufsteigenden Walmdächer.

Die erste Feuerprobe hatte die Kirche nach dem Einfall von Truppen um General Holk, im dreißigjährigen Krieg zu bestehen. Am 13. August 1632 nahmen sie die Stadt ein. Viele Einwohner, auch die in die Kirche geflüchteten, kamen dabei ums Leben. Die Stadt wurde geplündert und ging in Flammen auf - mit ihr auch das Gotteshaus. Die Türme und das Dach wurden ein Raub des Feuers, aber das Gewölbe blieb, bis auf eine Beschädigung in Orgelnähe, unversehrt. Die Kirche war bis 1634, die Türme erst 1643 wiederhergestellt. Aber nur der Südturm erhielt einen Aufbau für eine Türmerstube.
Der Stadtbrand im Jahr 1720 vernichtete wieder Dachstuhl und Türme sowie die Inneneinrichtung. Das Gewölbe hielt ein zweites Mal stand. Auch nach diesem Feuer wurde der Nordturm nur mit einem flachen Dach, der Südturm jedoch mit einer zweifachen Kuppel und einem darauf schwebenden, mannsgroßen Engel versehen. Auch innen wurde die Jakobikirche im Barockstil ausgestattet. Die Wiedereinweihung des Kirchgebäudes fand am 2.Mai 1725 statt.
Die Freude währte nicht lange. Bereits 1780 brach erneut ein Feuer aus, wieder wurden Türme und Dachstuhl vernichtet. Ein drittes Mal blieb das Gewölbe unversehrt. Der achteckige Aufbau (Türmerstube) des Südturmes konnte im Jahr 1836 wieder hergerichtet und mit einem spitz zulaufenden Dach versehen werden.
Doch auch dieser Turm erfreute die Bürger nicht lange. Der große Stadtbrand am 14. September 1859 äscherte fast die gesamte Stadt ein. Auch bei diesem verheerenden Unglück wurden der Dachstuhl und die Türme ein Raub der Flammen. Das Gewölbe aber hielt ein viertes Mal stand und auch die Inneneinrichtung blieb verschont. Die Aufstellung des neuen Dachstuhles erfolgte 1860. Am 11. September 1866 wurde der Südturm mit der Aufbringung des vergoldeten Kreuzes vollendet. Am 21. Dezember 1866 erklang zum ersten Mal das neue Geläut. Im Jahr 1867 zog auch wieder ein Türmer ein. Bis 1927 war die Türmerstube bewohnt.

1904 erfolgte eine Außenrenovierung des Gotteshauses. In den Jahren 1939/41 mußten, die auf den vier Ecken der unteren Turmteile stehenden Sandsteintürmchen, wegen des schlechten Zustandes und mangelnder Tragfähigkeit entfernt werden.
1981 begannen Bauarbeiten am oberen Teil des Nordturmes. Diese konnten 1983 beendet werden. Der untere Turmteil wurde in zwei Abschnitten von 1984-1986 renoviert. Leider wurden bei diesem Turm die schadhaften Sandsteinteile durch Betonteile ersetzt und überstrichen. Noch heute ist dies durch die andere Farbgestaltung des Turmes zu erkennen.
Von 1987-1993 wurde der Südturm saniert. Bei dessen unteren Turmteil konnten die Schäden an den Bauteilen wieder mit traditionellem Material behoben werden. Weitere große Aufgaben waren in den Folgejahren die Erneuerung des Außenputzes und die Sanierung des Daches. Das Dach und die Decke der Sakristei mußten 1997/98 wegen Schwammbefall abgebrochen und völlig neu errichtet werden. Auch an anderen Stellen des Kirchgebäudes trat während der Bauarbeiten starker Schwammbefall zutage. Die hohen finanziellen Ausgaben, der bis heute noch nicht vollständig beendeten Sanierung, konnten und können auch künftig nur durch Zuschüsse der Landeskirche, des Denkmalschutzes und nicht zuletzt durch die Spendenbereitschaft der Oelsnitzer Bürger bewältigt werden. Im Zuge der Neugestaltung des Weges um die Kirche, durch die Stadt Oelsnitz im Jahr 1999, wurde der Seiteneingang behindertengerecht gestaltet.

 

Das Innere der Kirche
Die St. Jakobikirche ist eine zweischiffige, spätgotische Hallenkirche. An der Westseite des nördlichen Querschiffs befindet sich das Seitenschiff.
Wenn wir das Innere der Jakobikirche betreten wird der Blick zuerst von dem prächtigen Sternengewölbe nach oben geleitet. Es wurde wahrscheinlich, wie bereits erwähnt, bis 1588 fertiggestellt. Der Grundriß der Jakobikirche ist unregelmäßig. Die Achse des Chores weicht zweimal nach Nordosten ab und auch die Türme stehen nicht parallel zueinander.
Das Gotteshaus ist 42 m lang und bis zum Gewölbescheitel 12 m hoch. Das Mittelschiff ist zwischen den Pfeilern 8 m, insgesamt 17 m breit. Die Breite des Seitenschiffes beträgt 4 m, die des Querschiffes 28 m. Die jetzige Innenausstattung der Jakobikirche geht im wesentlichen auf den Umbau 1888 zurück. Damals wurde die barocke Einrichtung durch eine Neugotische ersetzt. Die zweite Empore und die Logeneinbauten mit den Ständen sind, vielfach unter dem Protest der Besitzer, entfernt worden. Ist es auch um die alte barocke Ausstattung schade, so wurde doch erst durch die damalige Renovierung der ungehinderte Blick auf das Sternengewölbe wieder frei.

1910 wurde die Kirche im Inneren renoviert und neu gemalt. In den 20iger Jahren ist von der Firma Gustav Schnabel aus Oelsnitz, die noch heute bestehende, im Jahr 1994 auf Erdgas umgestellte, Dampfheizung eingebaut worden.
1962 erfolgte eine Innenrenovierung mit Erneuerung der Elektrik, Beleuchtung und des Anstriches. Dabei wurde durch Architekt Johannes Höra aus Bad Elster versucht, die Ausmalung weitgehend im Originalzustand der spätgotischen Erbauungszeit wiederherzustellen.
1998 begann eine Sanierung des Gewölbes. Dabei wurde festgestellt, daß schon in vergangenen Jahrhunderten häufig Reparaturen daran vorgenommen werden mußten. Fertiggestellt wurden bisher der vordere Teil im Chor, sowie das Gewölbe im südlichen Querschiff.

 

Der Altark
Der heutige neugotische Altar wurde bei der Renovierung 1888 eingebaut. Das Altarbild, es stellt Jesus in Emmaus dar, wurde von Moritz Heidel gemalt. Über den Künstler ist nichts näheres bekannt. Zu Katholischer Zeit befanden sich in der Jakobikirche 9 Altäre.

 

Die Kanzel
Auch die alte Kanzel wurde 1888 durch die jetzige Neugotische ersetzt. Dargestellt sind Jesus und die vier Evangelisten. Die Kanzel ist bei dieser Renovierung an die Südseite verlegt worden. Die vorhergehende Kanzel befand sie sich noch an der Nordseite des Chores.

 

tDer Taufstein
Der klassizistische Taufstein wurde 1833 von Ernst Rietschel (geb.1804 in Pulsnitz, gest.1861 in Dresden) geschaffen. Von ihm ist u.a. auch das bekannte Goethe- und Schillerdenkmal in Weimar. Karl Friedrich Hübschmann stiftete testamentarisch im Jahr 1833 für diesen Taufstein 150 Taler. Leider ist der Sandstein, gegen den ausdrücklichen Willen des Bildhauers, später bemalt worden. Bis 1833 stand in der Jakobikirche ein barocker Taufengel. Dieser war eine Stiftung aus dem Jahr 1721 von Frau Magdalena v. Reitzenstein und deren Sohn Carl Leopold.

 

Die Ausstellungskapelle
1983 wurde das Gestühl im südlichen Querschiff entfernt und damit Platz für verschiedene Ausstellungen geschaffen. Die drei hier angebrachten Figuren sind aus der Zeit um 1500. Ihre Herkunft ist leider unbekannt. Die linke stellt den Apostel Petrus dar. Bei den beiden anderen läßt sich nicht mehr feststellen welchen Heiligen sie zeigen, da die typischen Symbole verloren gegangen sind. Den Leuchter in der Ausstellungskapelle erhielt die Oelsnitzer Gemeinde von der Partnergemeinde in Varsseveld (Niederlande) zum 700 jährigen Kirchenjubiläum 1988 (es wurde für das Jubiläum das Gründungsjahr 1288, das aber nicht sicher zu deuten ist, zugrunde gelegt).

 

Die Glasfenster
Die farbigen Glasfenster wurden 1888 eingebaut. Das mittlere Fenster im Chor - die 1993 erfolgte Renovierung wurde von der Partnergemeinde Varsseveld gestiftet - zeigt den auferstandenen Christus (dazu ist im unteren Teil des Fensters noch die Bibelstelle: Matthäus 28, 2-4 angegeben). Das Fenster links daneben stellt die Weihnachtsgeschichte, das Rechte das Pfingstgeschehen dar.

 

Das Kruzifix im südlichen Mittelschiff
Das an der Südseite im Hauptschiff angebrachte Kruzifix gelangte 1978 aus der Katharinenkirche hier her. Es wurde um 1515 geschaffen und kann ursprünglich nicht aus der ehemaligen Gottesackerkirche sein, denn sie wurde erst 1616 erbaut. Über die Herkunft ist nichts näheres bekannt. Das Kruzifix und die Apostelfiguren in der Ausstellungskapelle sind die einzigen Einrichtungsgegenstände die aus der spätgotischen Erbauungszeit der St. Jakobikirche stammen.

 

Die Liturgischen Geräte
Beim Überfall der Holkschen Truppen 1632 wurden die Altargeräte geraubt oder zerstört. Die danach angeschafften bzw. gestifteten Geräte sind noch vorhanden und einige der wichtigsten seien hier genannt.
Eine silberne Abendmahlskanne zeigt auf einer Seite das Passahmahl, auf der andere ist das Abendmahl dargestellt. Den Deckel ziert ein Lamm, welches ein kleines Kreuz trägt. Die Widmung ist folgende: "zur Andenkung Hr. Andreen Frankens gew. Burgermeisters. Hr. Caspar Engelschalls Rathsverw. undt derer Ihrigen zu Olßnitz Ao. 1662.". Eine andere, einfach gehaltene silberne Kanne, wurde 1728 von Emilie Louise Engellschallin geb. Heerma gestiftet. Weiterhin sind silberne Kelche im Bestand u.a. einer aus dem Jahr 1637 gewidmet von Johannes Zürner (dem Sohn von Superintendent Zürner).

 

Die Orgeln zu St. Jakobi

Die Jehmlich-Orgel in St. Jakobi vor der Restaurierung
der Spieltisch befindet sich noch an der Seite
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Die heute in der Jakobikirche befindliche Orgel aus dem Jahre 1930 ist bereits das sechste Instrument in dieser Kirche. Nach einer Orgel, dessen Erbauer unbekannt ist, baut der Zwickauer Herman Raphael Rodensteen 1570 eine kleine, 10-Registrige Orgel. Nach dem 30jährigen Krieg, dem Kirche und Orgel zum Opfer fielen, baut 1650 Jacob Schedlich aus St. Joachimsthal (heute Jáchymov, CZ) eine wohl einmanualige Orgel, deren Disposition nicht bekannt ist. Nachdem im Jahre 1720 Kirche und Orgel durch einen Stadtbrand vernichtet wurden, baut der aus Adorf stammende Stadtorganist und Orgelmacher Adam Heinrich Gruber 1723 eine 19-Registrige Orgel, die allerdings schon zur Abnahme Anlass zu Beanstandungen gab. Sie wurde 1824 noch einmal kostspielig instandgesetzt, doch wurde ein Neubau unumgänglich. 1842 vollendete der bei Trampeli in Adorf ausgebildete Orgelbauer Christian Gottlob Steinmüller eine 2-manualige Orgel mit 31 Registern.
1928 war die Orgel unspielbar geworden: Verschmutzung und starker Holzwurmbefall setzten ihr zu. Nachdem eine Wiederherstellung nicht erwogen sondern ein Neubau beschlossen wurde, wandte sich die Kirchgemeinde an die Orgelbaufirma Gebrüder Jehmlich in Dresden und erbat einen Kostenanschlag für eine neue Orgel. Als Orgelsachverständiger wurde Prof. Karl Hoyer aus Leipzig herangezogen, der für die neue Orgel die Disposition entwarf. Nachdem die alte Orgel Anfang Januar 1930 abgebrochen wurde, wurde bereits im Februar mit dem Aufbau der neuen Orgel begonnen. Der aus Plauen stammende Architekt Prof. Wilhelm Sachs entwarf den Orgelprospekt.
Bereits zur Konfirmation (Palmarum 1930) waren 25 Register intoniert und die Gemeinde feierte Orgelweihe. Anfang Mai 1930 wurde das vollständige Instrument durch Karl Hoyer abgenommen und in einem Weihekonzert der Gemeinde übergeben. Mit ihren 65 klingenden Registern verteilt auf 3 Manuale und Pedal ist sie seitdem die größte Orgel des Vogtlandes.
Schon wenige Jahre nach seinem Einbau wurde das Instrument 1936 im Sinne der Orgelbewegung geringfügig umdisponiert. Die Schwachstelle der Konstruktion allerdings war die elektro-pneumatische Traktur, die weniger in der Pneumatik als viel mehr in den elektrischen Verbindungen und den damals zur Anwendung gekommenen Tauchspul-Magneten die meisten Störungen und damit verbundene Reparaturen verursachte.
2005 konnte die Orgel durch die Orgelbaufirma Thomas Jann aus Allkofen (Niederbayern) auf's Beste restauriert werden. Sie erhielt eine komplett neue elektrische Anlage, die Disposition wurde in den Originalzustand von 1930 zurück geführt und der bisher an der Südseite der Empore stehende Spieltisch wurde in die Mitte der Empore versetzt (mit Blick zur Orgel). Der Spieltisch wurde in seinem historischen Aufbau restauriert, erhielt aber zum Teil neue Funktionen: die drei „Freien Kombinationen“ entfielen – dafür Einbau einer modernen Setzeranlage die es dem Organisten erlaubt, bis zu 5000 Registrierungen abzuspeichern.

Die Besonderheit der Orgel ist ihre wohldurchdachte und ausgewogene Disposition sowie die Intonation der einzelnen Register. Letztere ist sehr weich verleiht dem Instrument eine sehr reiche, geradezu impressionistische Klang- und Farbenvielfalt. Werke der Spätromantik – vor allem von Sigfrid Karg-Elert – sind auf ihr geradezu mustergültig darstellbar.

Disposition

1. Manual (HW)

2. Manual (POS)

3. Manual (SW)

Pedal

Principal 16' Quintatön 16' Gedackt 16' Untersatz 32'
Principal 8' Principal 8' Gambe 16' Principalbass 16'
Hohlflöte 8' Doppelflöte 8' Geigenprincipal 8' Subbass 16'
Gedackt 8' Traversflöte 8' Nachthorn 8' Violon 16'
Gambe 8' Rohrflöte 8' Soloflöte 8' Echobass 16'
Salicional 8' Fugara 8' Gedackt 8' Harmonicabass 16'
Octave 4' Dolce 8' Schalmei 8' Quinte 10 2/3'
Rohrflöte 4' Praestant 4' Quintatön 8' Octavbass 8'
Rohrquinte 2 2/3' Spitzflöte 4' Gemshorn 8' Flötenbass 8'
Octave 2' Spitzquinte 2 2/3' Aeoline 8' Gedacktbass 8'
Cornett III Piccolo 2' Vox coelestis 8' Violoncello 8'
Mixtur IV Sesquialtera II Flötenprincipal 4' Choralbass 4'
Trompete 8' Cymbel III Flauto dolce 4' Flauto dolce 4'
  Clarinette 8' Viola 4' Flachflöte 2'
  Tremulant Nassat 2 2/3' Posaunenbass 16'
    Waldflöte 2' Trompetenbass 8'
    Terz 1 3/5'  
    Sifflöte 1'  
    Harm. aetherea III  
    Mixtur III-IV  
    Tromp. harm. 8'  
    Oboe 8'  
    Tremulant  

Koppeln

III/II – III/I – II/I - III/P – II/P – I/P

Superoctav III-III / III-II / III-I / II-II / II-I

Suboctav III-III / III-II / III-I

Ausgebaute Superoctavkoppel in III und II
in der 16'-, 8'- und 4'-Lage

Spielhilfen

Walze

Schweller (III)

Zungeneinzelabsteller

Zungen ab (general)

Koppeln aus Walze

Generalkoppel (= alle Normal-, Sub- und Superk.)

Tutti

5000facher Setzer auf 5 Ebenen zu je 1000; 4 Ebenen abschließbar

1989 konnte durch eine private Stiftung ein Orgelpositiv im Altarraum aufgestellt werden. Dieses stammt aus der Werkstatt des Orgelbaumeisters Georg Wünning aus Großolbersdorf/Erzgeb. und besitzt 5 1/2 Register und angehängtes Pedal.

 

Die Glocken
Unser Geläut besteht nachweislich seit 1632 aus vier Glocken. Im Laufe seiner Geschichte wurde dieses viermal, durch die bereits genannten Stadtbrände zerstört. Die 1866 von der Firma Jauck aus Leipzig gegossenen vier Bronzeglocken fielen den Beschlagnahmen des ersten und zweiten Weltkrieges zum Opfer. Von 1940 bis 1957 "bimmelte" für uns nur die kleinste Glocke, ein Findling, der für die im ersten Weltkrieg abgelieferten Glocken, erst 1926 ins Geläut kam.
Nun geschah ein kleines Wunder: unsere große Glocke hatte den zweiten Weltkrieg auf einem Glockenfriedhof in Hamburg überlebt. Anläßlich des 600-jahrigen Stadtjubiläums im Jahr 1957 erfolgte ihre feierliche Einholung. Am Reformationsfest des gleichen Jahres wurde das Geläut mit zwei Stahlglocken der Glockengießerei Schilling & Lattermann aus Apolda komplettiert. Durch die Kunst des Glockengießers konnte der seit 1780 gewohnte, angenehme b-Dur Akkord erhalten bleiben.

Die Glockeninschriften:
1. Glocke: Gott siehe darein und schilt, dass des Brennens und Reißens ein Ende werde. (Ps. 80,17)
2. Glocke: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. (Hebr. 13,8)
3. Glocke: Was heißt ihr mich aber Herr, Herr und tut nicht, was ich euch sage? (Lukas 6,46, die Jahreslosung 1957)
4. Glocke: Der kleine sehr alte "Findling" (wahrscheinlich aus dem 11.-12. Jahrhundert) weist keine Inschrift auf.

Der neue Kunst- und Kirchenführer der St. Jakobikirche ist im Pfarramt oder in der Kirche erhältlich. Er ist nicht nur für Touristen, sondern auch für alle Oelsnitzer von Interesse. Ein Exemplar kostet 3,00 € (Euro).

Quellen und Literatur
Dr. ph. Johann Gottlieb Jahn, Urkundliche Chronik der Stadt Oelsnitz und des Schlosses und Amtes Voigtsberg, Erstauflage 1872, Reprint vom Vogtländischen Heimatverlag Neupert Plauen 1992

Dr. Curt von Raab, Schloß und Amt Vogtsberg bis Mitte des 16. Jahrhunderts und das Erbbuch vom Jahr 1542, Erstausgabe 1907 Kommissionsverlag Rudolf Neupert jr., Reprint des Vogtländischen Heimatverlages Neupert Plauen

Carl von Zezschwitz (Redaktionelle Leitung) bearbeitet von den Geistlichen der Ephorie, Neue Sächsische Kirchengalerie - Die Ephorie Oelsnitz, Verlag Arwed Strauch Leipzig 1913

Festschrift 600 Jahre Stadt Oelsnitz, Herausgeber: Rat der Stadt Oelsnitz(Vogtl.) 1957

Edwin Schmidt, St. Jakobikirche Oelsnitz i.V. - Aus Ihrer Geschichte (Faltblatt), Herausgeber: Ev.-Luth. Pfarramt Oelsnitz (ohne Jahr, ca. 1981)

Fritz Löffler, Die Stadtkirchen in Sachsen, Evangelische Verlagsanstalt Berlin 1973, 5.Auflage 1989